100 Jahre Schützenhaus Gaustadt

Die Armbrustschützengilde „Hofer“ Bamberg-Gaustadt 1897 e. V. feiert ihr traditionelles Schützenfest. Vor 100 Jahren wurde an heutiger Stelle das erste Schützenhaus in Gaustadt von der damalig königlich priviligierten Schützengesellschaft „Hofer“ Bamberg erbaut. Bürgermeister Dr. Christian Lange sprach als Schirmherr ein Grußwort und sagte herzlichen Dank an den 1. Vorstand Herrn Michael Mackert und die allen Mitwirkenden. Mit dabei war – neben anderen – auch CSU-Stadtrat You Xie .

100 Jahre alt

Die Schützengilden zählen zu den ältesten Sportvereinigungen Deutschlands, denn ihre Entstehungen gehen größtenteils bis in das 13., 14. und 15. Jahrhundert zurück. Sie wurden damals zum Zwecke der Städteverteidigung geschaffen und von den Landesherren gefördert und geschützt.

Durch die Entwicklung des Militärwesens haben diese alten Wehrgemeinschaften an Bedeutung verloren und sind auf das sportliche Gebiet beschränkt worden.

Trotzdem blieben die alten Schützengilden mit ihrem Landesherrn immer noch eng verbunden. Sie genossen weiterhin Privilegien, also Vorrechte entsprechend einem vom Landesherrn erlassenen Statut. In Bayern war dies die Allgemeine Bayerische Schützenordnung aus den Jahren 1796 und 1868.

Die alten Schützengilden/-gesellschaften durften bis zur Aufhebung der Monarchie in Bayern den Titel „Königlich privilegiert“ in ihrem Namen führen, der dann nach der Revolution 1918 bis zur Beendigung des 2. Weltkrieges 1945 nach und nach in „privilegiert“ oder „vormals privilegiert“ abgewandelt wurde.

In Bamberg bestanden bis zum Jahre 1897 die Alte Schützengesellschaft Bamberg und die Zimmerstutzen-Schützengesellschaft 1865 Bamberg. Erstgenannte Gesellschaft war Ende des 19. Jahrhunderts und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts nur noch ein Gesellschaftsverein und für die untere Volksschicht unzugänglich. In ihrem damaligen neuen Schützenhaus am Schönleinsplatz wurden Konzerte und große Gesellschaftsveranstaltungen durchgeführt. Die Zimmerstutzen-Schützengesellschaft 1865 Bamberg hatte ihr Schießlokal im Riegelhof in der Concordiastraße. Die kleine Mitgliederschar waren Bürger aus der unteren Volksschicht unserer Stadt. Sie pflegten das Schießen nur mit dem Zimmerstutzen. Nach dem Übungsschießen gaben sie sich dem geselligen Kartenspiel hin.

Die Armbrustschützengilde „Hofer“ wurde in der fränkischen Domstadt Bamberg am 14. März 1897 als Zimmerstutzen-Schützengesellschaft gegründet. Sie bekam zu Ehren des Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer dessen Namen.

In den Jahren bis 1917 pflegten die Mitglieder an den Vereinsabenden den Zimmerstutzen-Schießsport und das Kartenspiel. Als Schießstand dienten Kegelbahnen in verschiedenen Gaststätten.

Nachdem von der Distriktsverwaltungsbehörde 1918 ein Schützenkommissär bestellt worden war und die Gesellschaft ein eigenes Gesellschaftshaus mit Feuerstutzen-, Kleinkaliber- und Zimmerstutzen-Schießständen in der Gemeinde Gaustadt errichtet hatte, wurde der Gesellschaft der Zusatz „privilegiert“ verliehen.

 

Die „Alte Schützengesellschaft 1522 Bamberg“ übernahm bei der Fahnenweihe nach dem 1. Weltkrieg die Patenschaft.

Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurde ein reger Schießbetrieb durchgeführt und Schützen- und Volksfeste, verbunden mit großen Preisschießen, veranstaltet.

Schmerzlich war für die Gesellschaft, dass von der NS-Ortsführung ein großer Teil des teuer erworbenen Grundstücks enteignet und zweckentfremdet eingesetzt wurde. Auch die spätere Auflösung der Gesellschaft durch die Besatzungsmacht und die Beschlagnahme des gesamten Vermögens, sowie Diebstähle und Demontagen der Schießanlagen, waren sehr bitter und erschwerten den Neubeginn im Jahre 1948.

Als Wanderclub getarnt, konnten beherzte Mitglieder Schlimmeres verhüten und 1950 die Umgestaltung des Wanderclubs in eine Armbrustschützengilde erreichen. Es wurden freundschaftliche Verbindungen mit den Armbrustschützen in Landshut, Nürnberg, München und Regensburg geknüpft, die zur Aufnahme in den Bayerischen Armbrustschützenverband führten.

Darüber hinaus wurde das Schießen mit Pfeil und Bogen in der Gilde aufgenommen und in Oberfranken verbreitet.

Die Hauptschützengesellschaft Nürnberg, Abt. Armbrust, übernahm am 24.07.1977 bei der Weihe der neuen Gildenfahne die Patenschaft.

Die Armbrustschützengilde „Hofer“ Bamberg-Gaustadt 1897 e.V. pflegt heute den Schießsport mit der Scheiben-Armbrust 10 und 30 m, dem Luftgewehr und dem Kleinkalibergewehr 50 und 100 m und nimmt an allen bedeutenden Schießen teil.

Die Gilde hat derzeit 140 aktive und 20 jugendliche Mitglieder. Außerdem haben sich die „Ritterschaft Alt-Franken“ und die „Dartgruppe Schützenhaus“ der Gilde korporativ angeschlossen.

Quelle: https://www.buergerverein-gaustadt.de/Vereine/spover/svh.html