25 Jahre UNESCO-Welterbe „Altstadt von Bamberg“ und Theodor Mathieu

Von  You Xie

Am 11. Dezember 1993 erklärte die UNESCO die „Altstadt von Bamberg“ zum Welterbe. Es jährt sich die Titelverleihung zum 25. Mal. Ein ganzes Jahr lang finden spezielle Veranstaltungen statt, die den Wert und die Verortung des Welterbes vermitteln, die das Welterbe Bamberg als Bildungs- und Informationsquelle vorstellen und die einen Leuchtturmbeitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 leisten und damit die nationale und internationale Sichtbarkeit Bambergs erhöhen.

Ich denke sofort an eine wichtige Person, den ehemaligen Oberbürgermeister, Dr. Theodor Mathieu.

Die hervorragend erhaltene Altstadt umfasst die drei historischen Stadtbezirke Berg-, Insel- und Gärtnerstadt. Alle drei gehören zum 142 Hektar großen UNESCO-Welterbe und repräsentieren in einzigartiger Weise die auf frühmittelalterlichen Grundstrukturen aufbauende mitteleuropäische Stadt.

Am 20.02.2018 fand eine Podiumsdiskussion im Großen Saal der VHS statt. Dr. Anna Scherbaum (Leiterin der Volkshochschule) im Gespräch mit Patricia Alberth (Zentrum Welterbe Bamberg) und Dr. Karin Dengler-Schreiber (Landesdenkmalrat): Wie hat sich die Welterbestadt über die Jahre verändert? Worin bestehen die Herausforderungen beim Erhalt des Flächendenkmals? Welche Ziele hat sich die Welterbestadt für die Zukunft gesteckt?

Ich denke sofort an eine wichtige Person, den ehemaligen Oberbürgermeister, Dr. Theodor Mathieu. Er war zwar ein vitaler Politiker und Verwaltungsfachmann, fragte doch nach der Zukunft der Stadt.

Man möge doch die Kirche im Dorf lassen, da, wo sie traditionell gewachsen ist. Theodor Mathieu hatte genug Sorgen, mit dem Ausbau der Wirtschaft, des gewaltigen Netzes der Umgehungsstraßen, die Bamberg schützen sollten, und mit der Hochschule. Denn zäh hält Bamberg, das einst schon Universitätsstadt war, als es manche andere Stadt noch gar nicht gab, daran fest, seine Gesamthochschule weiter auszubauen, wenn schon die Gründung einer neuen Universität von der bayerischen Regierung nach Bayreuth, vergeben wurde. Mit der Erhaltung und Erneuerung ihrer Altstadt werden Bambergs Bürger, die sich selbst nach einigen Gläsern Bier oder Wein als redlich, solide, aber nicht clever bezeichnen, ungleich stärker belastet als die Bürger der meisten anderen deutschen Städte. Viele Aufrufe, der Unesco, der Vereinigung „Europa Nostra“, sollen die Landesregierung, den Bund, ja, die Welt zu Hilfsmaßnahmen anregen, sonst gäbe es in 20 bis 30 Jahren kein altes Bamberg mehr, sagte der ehemalige Oberbürgermeister. [1]

Bamberg wuchs auf dem Weg zum Weltkulturerbe. Man würdigte die Bemühungen von Theodor Mathieu, Paul Röhner und Herbert Lauer für die erfolgreiche Verankerung des Titels und für wichtige Weichenstellungen. Diese Bemühungen um den Erhalt des wertvollen Erbes kann man so beschreiben: Entscheidend ist die Bewahrung der Authentizität, also des Echten, des Unverfälschten.

Bamberg ist ein solches Original. Die in das Stadtbild integrierte Universität sei ein konstituierender Teil des Weltkulturerbes, und diese Integration „ist zugleich ein außergewöhnliches Alleinstellungsmerkmal der Bamberger Alma Mater“, sagte Dr. Thomas Goppel. Er philosophierte über das Verhältnis von Staat und Gesellschaft zum kulturellen Erbe, über die historischen Aspekte der Identität. Dichter Jean Paul (1763 – 1825): „Die größten Städte und Genies sind unregelmäßig gebaut, voller Sackgassen und Paläste.“ Jean Paul hat recht, denn Bamberg ist genial.

 

Theodor Mathieu (* 14. März 1919 in Hohenkammer; † 8. September 1995 in Bamberg) nahm nach seiner Schulzeit in Augsburg am Gymnasium bei St. Stephan und in Bamberg am Neuen Gymnasium, sowie dem Abitur 1937 am St. Benno-Gymnasium in Dresden ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Erlangen auf, das er mit der Promotion zum Dr. jur. beendete. Während seines Studiums wurde er 1947 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Gothia Erlangen im CV und später auch Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Fredericia Bamberg im CV. Er arbeitete von 1952 bis 1958 als Richter am Landgericht Bamberg und hatte von 1952 bis 1954 eine Tätigkeit beim Bundesministerium der Justiz inne. 1957/58 wirkte er als Dozent an der Bayerischen Rechtspflegeschule. Mathieu trat nach 1945 in die CSU ein und amtierte vom 1. Mai 1958 bis zum 30. April 1982 als Oberbürgermeister der Stadt Bamberg.

Bildherkunft (Ausstellung Phantasie + Präzision, 1987): Von links nach rechts: Peter M. Schmidhuber, Bayerischer Staatsminister für Bundesangelegenheiten, Dr. Ruth Diehl, Kunsthistorikerin, Franziska Kelz-Blank, Goldschmiedemeisterin, Dr. Theodor Mathieu, Altoberbürgermeister von Bamberg

http://www.schmuckmuseum-bonn.de/bay_lv_87/gruppenfoto_1987.html

 

Quellenangabe:

[1]  Wir brauchen Bamberg in ZEIT ONLINE:

http://www.zeit.de/1973/25/wir-brauchen-bamberg/seite-2