Debatte: Sebastian Brehm
Das Gesicht der Großstadt
– Wesentlicher Kernpunkt einer modernen CSU-Großstadtpolitik ist es, die Lebensrealitäten in der Großstadt anzuerkennen, mit eigenen Inhalten zu füllen und daraus eine Zukunftsvision für eine moderne Stadtgesellschaft zu entwerfen, sagt Sebastian Brehm, Fraktionsvorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion Nürnberg. Der Beitrag ist Teil einer Serie über moderne "Stadtpolitik".
Gerade in den letzten Jahren konnten enorme gesellschaftliche Veränderungen wahrgenommen werden. Die Lebensstile sind mehr und mehr individualisiert, die persönlichen Lebensläufe werden mehrmals durchbrochen und die Struktur der Netzwerke hat sich geändert. Die persönliche Betroffenheit ist derzeit die zentrale Triebfeder für bürgerschaftliches Engagement. Auch die Veränderungen in den Familienstrukturen, die Veränderungen aufgrund der steigenden Lebenserwartung und die gesellschaftlichen Veränderungen durch Migration stellen die Kommunalpolitik vor große Herausforderungen. Aber gerade in einer immer vernetzteren und globalisierteren Welt wird die eigene Heimat in der Stadt und im jeweiligen Stadtteil immer wichtiger.
Aufgabe einer erfolgreichen Großstadtpolitik ist es daher, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, ihnen mit einer klaren Zukunftsperspektive eine sichere Heimat zu geben und sie vor Ort, auch unter Einsatz moderner Medienstrukturen, mitarbeiten und mitentscheiden zu lassen.
Die standardisierten Rezepte von gestern werden die Herausforderungen von heute und morgen nicht mehr umfassend lösen können. Die Aufgabe besteht darin, mit vielen kreativen und individuellen Angeboten die Menschen an der Stadtgesellschaft teilhaben zu lassen. Eine wirkliche Integration aller Bürgerinnen und Bürger wird dann gelingen, wenn das Prinzip „do ut des“, Leistung und Gegenleistung, in der Gesellschaft wieder fest verankert wird. Dabei dürfen nicht nur wirtschaftliche Aspekte diesem Leistungsprinzip zu grunde liegen. Ein solches sozial-marktwirtschaftliches Leistungsprinzip wird den Menschen wieder Vertrauen in unsere Systeme geben und sie wieder verstärkt für ein Engagement am Mitmenschen gewinnen. Dieses bürgerschaftliche Engagement ist ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit einer Kommune.
Soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft bedeutet aber auch, alle Menschen an den Angeboten, insbesondere im Bereich Krippe, Kindergarten, Hort, Schule, musikalische Bildung und Sport teilhaben zu lassen. Diese Teilhabe ist der langfristige Garant für eine gute Zukunft.
Klare Zukunftsvisionen erfordern jedoch auch Augenmaß und Vernunft. Nur mit ausgeglichenen Haushalten ohne Neuverschuldung ist Politik glaubhaft und zukunftsorientiert. Das Gesicht der Großstadt wird sich in den nächsten Jahren rasant weiterentwickeln, ob im Bereich Stadtentwicklung und Städtebau oder im Bereich Verkehr und Mobilität. Ein Blick über den Tellerrand hinaus schärft dabei den eigenen Fokus.
Die Kommunalpolitik ist geprägt von Persönlichkeiten, die bürgernah, tolerant, nicht abgehoben und mit klarem, nachhaltigem Profil der jeweiligen Stadt ein Gesicht und der Stadtgesellschaft Vision und Halt geben. Geschlossenheit der CSU vor Ort ist dabei ein zentraler Schlüssel für den Erfolg.
Hintergrund
Der Text "Das Gesicht der Großstadt" wurde im Bayernkurier veröffentlicht und ist Teil einer Serie, die sich mit konservativer Stadtpolitik befasst. Es brauche neben glaubwürdigen modernen Politikern auch eine inhaltliche Neuorientierung, forderten Unionspolitiker nach den letzten Wahlen. Ist das wirklich so? Ist die CSU nur auf dem Land und in kleinen Gemeinden oder auch in Großstädten gut vertreten? Was muss sich ändern? Die Bamberger CSU wird die Serie in unregelmäßigen Abständen publizieren.

