Kurzer Bericht über die Sitzung des Bau- und Werksenates am 05.12.2017

Punkt 16.00 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Starke, der vom Besuch des Konzerts der Bamberger Symphoniker in der Elbphilharmonie in Hamburg rechtzeitig zurückgekommen ist, eine Sitzung des Bau- und Werksenats, die inhaltsreich ist und deshalb auch entsprechend lang dauert. Allerdings ist auch vieles besprochen und beschlossen worden, was für die Stadt Bamberg gut und wichtig erscheint.

I.

 

In einem ersten Tagesordnungspunkt hat Baureferent Beese umfänglich vorgetragen zum Stand der Bauarbeiten am Quartier an der Stadtmauer, vor allen Dingen zum Stand des Vorhabens „Mikwe“.

 

Was die Mikwe anbelangt, handelt es sich ja um eine sehr komplizierte und komplexe Angelegenheit. Es haben hier sehr viele Vorbesprechungen stattgefunden. Nunmehr haben sich die Stadt und der Bauherr, die Sparkasse, auf ein bestimmtes Verfahren geeinigt.

 

Die Hauptproblematik liegt darin, dass hier zwei Denkmäler übereinander stehen. Im Boden befindet sich das Bodendenkmal Mikwe; darüber steht auf ein Haus, welches ebenfalls als Einzeldenkmal geschützt werden muss. Es handelt sich um das ehemalige Rückgebäude der Hausnummer 13. Dieses Haus wurde 1730 von einem jüdischen Mitbürger erbaut. Es stand sozusagen in 4. Reihe, von der Langen Straße aus gesehen, da die Juden nicht im eigentlichen Stadtgebiet allzu sehr präsent sein durften. Das Haus stand unmittelbar an der Stadtmauer, also ganz am Rande der Stadt. Es handelt sich aber um ein Haus, welches sehr aufwendig und sehr kunstvoll gebaut und gestaltet war. Dieses Haus denkmalgerecht zu sanieren und zu erhalten, ist wohl eine ganz wichtige Aufgabe. Die Sparkasse stellt sich dieser Aufgabe mit einem sehr hohen Kostenaufwand. Es soll dann auch in diesem Haus ein kleines Dokumentationszentrum über jüdisches Leben in Bamberg entstehen.

 

Die Mikwe wurde ja erst teilfreigelegt im Zusammenhang mit den Grabungen, die im gesamten Quartier stattgefunden haben und im Zuge derer ja z.B. die Stadtmauern freigelegt wurden. Dabei konnte nur ein Teil der Mikwe freigelegt werden, nämlich nur die zum Tauchbecken hinunter geführt habende Treppe. Das Tauchbecken als solches, welches wahrscheinlich – man vermutet es – im Boden tief unten erhalten ist, ist nicht freigelegt und kann derzeit auch nicht freigelegt werden. Das hat seinen Grund hauptsächlich darin, dass das Haus, welches erhalten werden muss, unterfangen werden muss.

 

Man hat sich jetzt also dahin verständigt, dass das Haus sehr gut unterfangen wird, ohne dass irgendetwas im Boden beschädigt wird. Eine weitere Ausgrabung der Mikwe findet nicht statt. Es soll aber das, was jetzt schon freigelegt ist, zur Besichtigung freigegeben werden. Insoweit wird möglicherweise mit einer Glasplatte gearbeitet werden. Jedenfalls soll das Haus denkmalgerecht saniert werden und es soll das, was jetzt schon freigelegt ist, auch freigelegt bleiben. Dazu bedarf es aber erheblicher Sicherungsmaßnahmen.

 

Mit dieser Art des Vorgehens sind jetzt alle Beteiligten einverstanden, auch die Israelitische Kultusgemeinde und vor allem auch die Oberste Denkmalbehörde.

 

Ich habe dargelegt, dass natürlich mancher Bürger der Stadt erwartet hätte, dass die Mikwe voll freigelegt wird. Ich habe aber auch erklärt, dass ganz offensichtlich die Mikwe ja schon nicht mehr im Gebrauch war, als 1730 das Haus gebaut wurde. Dieses wurde mir vom Baureferenten Beese dann bestätigt. Für unsere Fraktion habe ich erklärt, dass wir mit dieser Art des Vorgehens sehr einverstanden sind und dass wir den Bauherrn, die Sparkasse, nur loben können, dass hier so feinfühlig und mit großem Geldaufwand vorgegangen wird. Natürlich ist es wichtig, Zeugnisse des Judentums in Bamberg zu erhalten. Ich habe aber auch darauf hingewiesen – und dieses zum wiederholten Male -, dass in Bamberg sehr viel Erinnerung an die jüdischen Mitbürger zu sehen ist und dass darauf viel zu selten hingewiesen wird. Das gesamte von mir immer sogenannte „zweite Bamberg“, also die Bebauung vom Bahnhof bis zum Staatsarchiv und bis zur Justiz und zur alten Oberpostdirektion, auch damals bis zur prächtigen Synagoge, wurde gemeinschaftlich von christlichen und jüdischen Kaufleuten vorgenommen. Und es wurden viele dieser jüdischen Kaufleute immer apostrophiert als „Hopfenjuden“; dabei ist es so, dass sehr viele bedeutende andere jüdische Mitbürger Bewohner der Gründerzeitvillen waren, so z.B. die Familie Dessauer, die immerhin Inhaber der Bamberger Mälzerei war oder die Familie Lessing, Inhaber der drei Bamberger Ziegeleien. Dieses zweite Bamberg wäre nie entstanden, wenn damals nicht christliche und jüdische Kaufleute zusammengespielt hätten, um ein schönes neues Quartier für komfortables Wohnen zu schaffen.

 

Es wird hier also ein sehr schönes kleines Dokumentationszentrum entstehen und es wird vor allen Dingen ein Haus gerettet, welches wirklich sehens- und erhaltenswert ist. Und die Grundproblematik, dass hier zwei Denkmäler aufeinander stehen, wird auf diese Weise sehr gut gelöst. Es waren dann auch alle Fraktionen mit dieser Vorgehensweise sehr einverstanden. Im Übrigen hat sich aus dem neuerlichen Bericht des Baureferenten Beese wieder gezeigt, dass die Sparkasse hier zusammen mit Sontowski & Partner und den tätigen Baufirmen sehr gut arbeitet. Es läuft offensichtlich alles bestens. Mit Sicherheit in absehbarer Zeit eine große Bereicherung der Stadt!

 

II.

 

In zwei Tagesordnungspunkten wurden ein Rahmenplan und ein Bebauungsplan betreffend die „Spiegelfelder“ behandelt.

 

Bei den „Spiegelfeldern“ handelt es sich um das Gebiet zwischen Brennerstraße, Zollnerstraße und Neuerbstraße.

 

Es wurde hier ja schon vor einiger Zeit der Rahmenplan vorgestellt, den der Wettbewerbsgewinner Architekt Eickelberg entwickelt hat. Zwischenzeitlich gab es umfängliche Informationsveranstaltungen und Anhörung der betroffenen Bürger. Es hat dann die Verwaltung zusammen mit Architekt Eickelberg den ganzen Plan nicht unwesentlich verändert. So wurde die Bebauung hinter der Zollnerstraße 5 m nach Süden verschoben, um nicht zu dicht an die bestehende Bebauung heranzukommen. Außerdem wurden die Geschosshöhen geändert. Die Bebauung in 2. Reihe hinter der Zollnerstraße soll nur zweigeschossig stattfinden, die Bebauung weiter hinten bis dreigeschossig und nur an markanten Ecken soll eine viergeschossige Bebauung möglich sein. Außerdem soll – und das ist mit das Wichtigste am ganzen Plan – ein Grüngürtel erhalten bleiben. Es soll also eine grüne Verbindung vom Bahnhof bis zur Lagarde-Kaserne geben, die nur für Fußgänger und Radfahrer nutzbar ist. Die sonstige Erschließung des Gebiets erfolgt über Stichstraßen von der Zollnerstraße her, die dann mit Wendehämmern verstehen sind.

 

Der Bebauungsplan umfasst zunächst nur ein ziemlich großes Gebiet im Osten, also von der Neuerbstraße her nach Westen.

 

Die nunmehr vorgestellte Planung kann man nur begrüßen. Dabei ist es natürlich so, dass nur sukzessive eine Wohnbebauung dort stattfinden wird. Der Rahmenplan und vor allen Dingen auch der Bebauungsplan sollen ja nur dazu dienen, dass eine Bebauung eben ausschließlich in dem vorgegebenen Rahmen stattfinden kann.

 

Bei dieser gesamten Planung handelt es sich um eine äußerst gelungene Verdichtung, die aber genügend Freiräume und vor allen Dingen auch genügend Grünraum bestehen lässt. Es bestand also große Einigkeit, dass diese Planung umgesetzt werden soll.

 

 

 

III.

 

Zu diesem Punkt passte der nächste gut: Im Rahmen der Städtebauförderung erhält Bamberg für „Stadtgrün“ 370.000,00 € Zuschuss.

 

Allerdings muss dafür eine Förderkulisse festgelegt werden. Dies ist sehr geschickt geschehen. In die Gebietskulisse einbezogen sind der Bürgerpark Hain, die Achsen Bahnhof-Lagarde im Bereich Spiegelfelder und Zollnerstraße, der Ulanenpark, der Giechburgblick und die Achse Giechburgblick-Lagarde-Campus.

 

Natürlich wurde die Aufnahme in dieses Programm von allen Fraktionen begrüßt.

 

IV.

 

Die nächsten beiden Tagesordnungspunkte befassten sich mit der Bebauung im Westen von Wildensorg.

 

In Fortsetzung der Waldstraße nach Westen hin ist jetzt also ein Wohnbaugebiet geplant, wo 21 Einfamilienhäuser mit Umgriff gebaut werden können.

 

Ich habe für unsere Fraktion ausdrücklich begrüßt, dass hier wieder einmal ein kleines Baugebiet entsteht, wo der „Normal-Mittelstands-Bürger“ sich sein Häuschen bauen kann, am besten auch mit einer Garage. Ich wusste aus der Vorbesprechung, dass die Grünen natürlich wieder dagegen stimmen würden. Deshalb habe ich auch ganz bewusst darauf hingewiesen, dass es sich bei Wildensorg ja in gewissem Maße um die Fortsetzung des Berggebiets, also auch der Wildensorger Straße handelt, wo ja sehr viel Familienheime mit großem Garten stehen, so z.B. das Wohnhaus der Fraktionsvorsitzenden Sowa der GAL-Fraktion.

 

Vor allen Dingen habe ich aber auch darauf hingewiesen, dass in Wildensorg ja seit jeher Wohngebiete geschaffen worden sind, wo man eben Einfamilienhausbau betreiben kann, so das Gebiet „Die Bergner“, aber auch das Gebiet Renkfeldstraße oder eben auch das Gebiet an der Waldstraße. Es ist also durchaus konsequent, hier ein überschaubares neues Gebiet auszuweisen, wo ein solcher Einfamilienhausbau stattfinden kann. Solches ist in Bamberg dringend nötig. Man kann nicht nur – so habe ich ausgeführt – im Innenstadtbereich verdichten und hauptsächlich Geschosswohnungsbau anbieten. Es gibt noch genug Leute, die gerne nach Bamberg ziehen wollen, aber eben ihr Häuschen haben wollen.

 

Unsere Meinung haben alle Fraktionen geteilt außer der GAL-Fraktion. Hier musste Stadtrat Dischinger sprechen. Er hat darauf hingewiesen, dass solches Bauen veraltet sei und dass natürlich eine Verdichtung notwendig sei und dass ein Flächenverbrauch nicht in Frage komme. Der Sprecher der SPD-Fraktion, Heinz Kuntke, war in der Befürwortung dieses Gebiets vorsichtig; er hatte schon auch ein bisschen „grünes Gedankengut“ mitschwingen lassen, sah aber ein, dass es Bürger gibt, die solches Wohnen haben wollen. Deshalb habe ich in einem Einwurf darauf hingewiesen, dass ja gerade auch im Malerviertel ein solches Wohngebiet besteht, wo viele Richter und Staatsanwälte wohnen. Für Nichtwissende: Heinz Kuntke hat dort sein Einfamilienhaus.

 

Es wurde also gegen die zwei Stimmen der Grünen der Bebauungsplan auf den Weg gebracht.

 

V.

 

Im nächsten Tagesordnungspunkt hat Baureferent Beese noch einmal berichtet zum Projekt Sutte-Kanal-, Leitungs- und Straßenbau. Die Verwaltung hat jetzt doch einige Anregungen aus den Fraktionen, vor allen Dingen auch aus der CSU-Fraktion, gut aufgenommen. Es sollen also in Winterszeiten, wenn nicht gebaut werden kann, die Straßen wenigstens mit einem einfachen Belag versehen werden, damit sie benutzt werden können. Es soll die Karolinenstraße zu Zeiten, da gebaut wird, wenigstens bis 22.00 Uhr für den Verkehr freigegeben werden.

 

Alles in allem ist die Verwaltung offensichtlich sehr bemüht, die Baumaßnahme so bürgerfreundlich und so unschädlich wie möglich durchzuführen. Dass diese Baumaßnahme, die möglicherweise drei Jahre in Anspruch nehmen wird, große Schwierigkeiten mit sich bringen wird, ist allen klar. Auf der anderen Seite muss diese Maßnahme eben durchgeführt werden, um die Wasserversorgung und die sonstige Ver- und Entsorgung im Berggebiet sicherzustellen. Bleibt zu hoffen, dass dies alles so gut wie möglich geschehen wird.

 

VI.

 

Im nächsten Tagesordnungspunkt wurde kurz berichtet über die neue Tourenplanung für die Entsorgung des Biomülls. Es gibt hier neue Abholtage. Es wird aber alles ordnungsgemäß veröffentlicht, so dass eigentlich die Sache rundlaufen müsste.

 

Bei dieser Gelegenheit habe ich etwas vorgetragen, worauf unsere aktive Stadträtin Anne Rudel zurecht hingewiesen hat: Es werden Müllabholungen (sowohl die normale Restmüllabholung wie die Papierabholung wie auch die Biomüllabholung) häufig auch in Bereichen von Schulen und Kindergärten zwischen 07.30 Uhr und kurz nach 08.00 Uhr durchgeführt. Das ist sicher nicht ungefährlich, weil Kinder sich natürlich teilweise unberechenbar verhalten und weil dann die große Gefahr bestehen könnte, dass es zu Kollisionen von Kindern mit Müllfahrzeugen kommt. Ich habe deshalb angeregt, dass doch nach Möglichkeit solche Müllentsorgung im Bereich von Schulen und Kindergärten nicht zwischen 07.30 Uhr und 08.15 Uhr stattfinden sollte.

 

Die Verwaltung will dieses Thema aufgreifen. Freilich wurde darauf hingewiesen, dass es nicht immer möglich ist, diese Bereiche zu diesen Zeiten völlig auszusparen. Man muss ja auch beachten, dass z.B. eine Müllentsorgung im Innenstadtbereich um 11.00 Uhr auch nicht gut wäre, weil dann natürlich der Verkehr – z.B. in der Langen Straße – stark behindert würde.

 

Man muss hier also einen „Spagat“ zwischen den besten Lösungen versuchen. Unser Wunsch ist aber angekommen und soll so gut wie möglich berücksichtigt werden.

 

VII.

 

In einem weiteren Tagesordnungspunkt wurde berichtet, dass eine Zweckvereinbarung über die Einleitung von Abwasser in die öffentliche Abwasseranlage der Stadt Bamberg zwischen der Stadt Bamberg und der Gemeinde Kemmern abgeschlossen werden soll. Das ist gut für die Stadt Bamberg, weil die Kläranlage Bamberg damit noch besser ausgelastet wird. Es wurde hier selbstverständlich zugestimmt.

 

 

 

Alles in allem kann also berichtet werden, dass diese Sitzung sehr erfolgreich gelaufen ist. Es bewegt sich wirklich vieles in Bamberg und es bewegt sich vieles zum Positiven! Leider wird darüber viel zu wenig berichtet. Es werden immer nur „Skandale“ und schlechte Nachrichten verbreitet. Hier ist allein in dieser Sitzung Bamberg in mehreren Bereichen und in vielen Belangen wirklich wieder bestens nach vorne gebracht worden!

 

 

F.-W. Heller