Reichmann rockt den Keesmannsaal

Bamberg – Der Saal der Braurerei Keesmann platzte aus allen Nähten – so groß war der Andrang beim Politischen Aschermittwochskabarett der Bamberger CSU. Mit dem Burgebracher Bürgermeister Johannes Maciejonczyk und Wolfgang Reichmann, Gewinner des Frankenwürfels und stadtbekannter Radiomoderator, hatten die Christsozialen auf die richtigen Zugpferde gesetzt.


Der Stadt Bamberg hielt Maciejonczyk einen Landkreisspiegel vor. Der Landkreis seien die täglichen drei Seiten im Fränkischen Tag, die die Städter überblätterten, weil sie dächten, es sei Werbung für Ferien auf dem Bauernhof. Dabei lohne sich ein Blick, so Burgerbrachs Bürgermeister, und malte die Konkurrenz an die Wand. Nachdem trotz aller Versuche, die neue JVA nicht in Bamberg, sondern in Burgebrach gebaut werde, sei die Gemeinde am nächsten Coup dran: Maciejonczyk berichtete von Gesprächen mit einem Firmenchef und sagte vieldeutig, die Alliteration „Brose Baskets Burgebrach“ höre sich doch sehr gut an. Flächen für einen Hallenneubau stünden bereits zur Verfügung. Auch beim Bahnausbau müsse die Stadt aufpassen, die Geduld der Bahn nicht überzustrapazieren: „Ihr sagt von Euch selbst, ihr seid der Nabel der Welt. Passt beim Bahnausbau mal auf, nicht auf der anderen Seite des Körpers zu enden.“ Die Stadt forderte Johannes Maciejonczyk auf, eine Politik mit dem Motto zu fahren: „Lieber ein Wort das lange währt, als nur starke Sprüche abzulassen!“

Für den Kabarettisten Wolfgang Reichmann war damit die Bühne bereitet: Er heizte den Saal mit einer Vielzahl von Pointen und Witzen weiter auf. Sein Finger bohrte sich tief in die Wunden der Stadt, und er ließ kaum etwas aus. „Auf der unteren Brücke trödeln die Kinder, auf der oberen das Bauamt.“ Man brauche aber keine Angst zu haben, bis zur Sandkerwa („Hier geht’s um Kies, nicht um Sand!“) sei irgendwas schon fertig, nahm Reichmann das Pflasterdesaster beim Bamberger Brückenbau aufs Korn. Der CSU-Fraktionschef Dr. Helmut Müller erinnere ihn auf dem Fahrrad manchmal an einen christsozialen Richard Kimble – immer auf der Flucht, wenn er nicht die berühmten Müller-Doppel-Pirouetten drehe. Dem CSU-Kreisvorsitzenden Dr. Christian Lange müsse man dagegen noch fränkische Schlitzohrigkeit einimpfen: „Die gibt’s bei mir gratis!“, so Wolfgang Reichmann. Die Entwicklung der Sozialstiftung, das Bürgerrathaus im alten Kreiswehrersatzamt oder der Bahnausbau („die Bieber im Hollergraben sind schneller beim Tunnelbau als die Bahn“) waren Thema. „Als Turbokonversion gestartet, sehen wir jetzt alles als Slowmotion“, witzelte der Kabarettist unter dem Lachen der Besucherinnen und Besucher. „Lieber klein Anfangen und groß Aufhören!“ Auch der Fränkische Tag bekam für seine Berichterstattung sein Fett weg: „FT ist die Abkürzung für Fehlerteufel!“

Auch in seiner Zugabe sparte Reichmann nicht mit Witzen, gab sich aber versöhnlich: „Am Politischen Aschermittwoch darf man alles sagen, über alles herziehen!“ Für die CSU spreche, dass sie das alles souverän über sich ergehen ließe: „Das spricht für die Stärke der Partei!“ Gemeinsam, als Team, auch mit Einzelspielern sei ihm nicht bange für die Zukunft, so Reichmanns versöhnliches Schlußwort.