Reichspogromnacht: Filmaufnahme zeigt den Brand der Bamberger Synagoge

Am Donnerstag, 9. November 2017 gedachten Stadt Bamberg und die Israelitische Kultusgemeinde der Opfer der Reichspogromnacht sowie der vertriebenen und im Holocaust umgekommenen jüdischen Mitbürger um 17 Uhr am Synagogenplatz.  CSU-Stadtrat You Xie nahm an der Gedenkstunde  teil.

Vor dem Mahnmal sprachen Oberbürgermeister Andreas Starke und Arieh Rudolph, 1. Vorsitzender der Kultusgemeinde Bamberg, Gedenkworte.  Es wurde im Rahmen der Gedenkstunde eine historische Filmaufnahme aus jener Nacht gezeigt, die die brennende Synagoge in Bamberg dokumentiert. Die Bilder sind einer der wenigen filmischen Belege vom
9. November 1938, die es überhaupt gibt. Zahlreiche Fernsehsender im In- und Ausland haben diese für verschiedene Dokumentationen in den vergangenen Jahren genutzt. Die Filmaufnahme ist im Besitz des Bamberger Stadtarchivs.

Die Gedenkfeier wurde von Mitgliedern des Synagogenchors Bamberg und von Schülerinnen und Schülern der Maria-Ward-Schulen und des Franz-Ludwig-Gymnasiums gestaltet.

Die verharmlosende Bezeichnung Reichskristallnacht, deren Herkunft nicht definitiv geklärt ist, bildete und erhielt sich für den reichsweiten Pogrom (gewalttätige Aktion gegen Menschen, die einer Minderheit angehören) gegen die Juden im Deutschen Reich, der am 9./10. November 1938 stattfand. „Kristallnacht“ bezieht sich auf die überall verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen. Der Begriff Reichspogromnacht hat sich erst in jüngster Zeit verbreitet und im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt, um das belastete Wort „Reichskristallnacht“ zu ersetzen.

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gehört zu den schlimmsten und beschämendsten Momenten der deutschen Geschichte. Ihre Geschehnisse waren auch für sich ein solcher Schlag in das Gesicht von Humanität, Zivilisation und Anstand, dass wir uns an dieses Datum immer wieder erinnern müssen.

Keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft, auch kein Staat kann ohne Gedächtnis und ohne Erinnerung leben. Ohne Erinnerung zu leben bedeutet ja, ohne Identität und damit ohne Orientierung zu leben. Wenn wir nicht blind in die Zukunft gehen, sondern Ziele und Maßstäbe haben wollen, müssen wir wissen, woher wir kommen, und das gilt nicht nur abstrakt und allgemein, sondern ganz konkret auch für die deutsche Geschichte, besonders jetzt, da die Generationen, die das sogenannte Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben, in die Verantwortung eingerückt sind. Erinnerung und Gedächtnis müssen weitergegeben werden. Um der Opfer willen, aber auch um unserer selbst willen. Wer aufrichtig sein will, muss sich seiner ganzen Geschichte stellen, der Geschichte, die im Guten wie im Bösen die Identität eines Volkes ausmacht.

Am heutigen Datum kommen wir nicht vorbei. Die Nacht des organisierten Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung war das deutlichste Signal für die sozusagen staatsoffizielle Verrohung der öffentlichen Sitten.

Niemand kommt als guter Mensch auf die Welt. Moralische Prinzipien, Verhaltensmaßstäbe, Werte muss man lernen, einsehen, verinnerlichen. Dazu brauchen wir glaubwürdige Eltern und Erzieher. Und glaubwürdig können sie diese Werte nur vermitteln, wenn sie selber nach ihnen leben, wenn sie sich an ihren eigenen Maßstäben messen lassen können. Das gilt auch nicht nur für die Erzieher im direkten Sinn des Wortes, sondern es gilt für alle sogenannten Autoritäten und alle Repräsentanten der gesellschaftlichen Institutionen.

Mit zwei Kränzen und Lichtern ehrte man die Opfer der Nacht des 9. Novembers 1938, als 168 Bamberger jüdischen Glaubens von der SA überfallen, misshandelt und zum Teil verhaftet wurden.

„Wir sind noch lange nicht soweit, auf Gedenktage wie den heutigen zu verzichten“, betonte Martin Arieh Rudolph, der 1. Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg.